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Mit dem Kamel durch den SinaiAmbivalente Eindrücke: Doris Cramer veröffentlichte Reiseskizzen aus Nordafrika

(Schwarzenbruck, 19.12.98) »Mit dem Kamel durch den Sinai« heißt eine Sammlung eindrucksvoller Reiseskizzen von Doris Cramer, die vor kurzem im Köller-Verlag erschienen ist und aus einer interessanten Perspektive Einblick in das Leben in diesen nordafrikanischen Staaten gibt.

Ungewöhnlich und lesenswert ist diese sehr subjektiv geprägte und dennoch informative Reisebeschreibung besonders deshalb, weil Doris Cramer - zum Teil allein, zum Teil mit der Malerin Waltraud D. Giebel - diese Länder abseits der ausgetretenen Touristenpfade bereist und daher ganz andere und daher authentischere Erlebnisse und Impressionen, was den Charakter dieser Gegenden angeht, schildern kann als die Pauschalreisenden, die sich von Strand zu Hotel und von Hotel zu Swimming-pool bewegen.

Ohne Touristenbonus

Auf eigene Faust fährt Doris Cramer immer wieder in diese Gegenden, wobei es ihr Bestreben ist, soviel wie möglich von Land und Leuten kennenzulernen, was natürlich einen Verzicht auf die Üblichen Annehmlichkeiten bedeutet, die die organisierten Reisen mit sich bringen. Sie reist mit einem alten Jeep durch die Wüste, fährt mit den unzuverlässigen öffentlichen Verkehrsmitteln, einer unpünktlichen Fähre und allen Ernstes auf einer größeren Tour auch auf einem Kamel. Und so wie sie sich bemüht, ohne Touristenbonus direkt am Leben der Völker teilzunehmen, so ist sie auch bestrebt, dies in ihrem Buch ohne jede Romantisierung, aber auch ohne jede Dramatisierung dem Leser zu vermitteln.

Dies gelingt ihr fast immer gut. Gelegentlich ist die Faszination, die von diesen Landstrichen und der Kultur, die sie fesselt, doch so groß, daß ihre sonst direkte und deutliche Sprache einen Hauch zu blumig wird, die Beschreibung der Bilder einen Deut zu weitschweifig.

Dies wiederum ist jedoch ein Indiz für ihre bedingungslose Offenheit den Erfahrungen gegenüber, die sie in diesen Ländern macht. Und genau darin liegt auch der Wert ihrer Reiseskizzen. Glaubwürdig auf der einen Seite, aber auch interessant und unterhaltsam zu lesen, schafft sie ein Bild dieser Wüstenstaaten, das sich nicht nur auf die äußeren Erscheinungen der Landschaft, des Klimas oder der Bevölkerung beschränkt, sondern durch ihre Aufgeschlossenheit dringt sie auch vor in tiefere Schichten der Lebensumstände, die durch geschichtliche, religiöse, wirtschaftliche, geographische und politische Umstände bestimmt werden. Die einzelnen Kapitel ergeben so ein Mosaik, das den nordafrikanisch- islamisch geprägten Kulturkreis von verschiedenen Seiten beleuchtet.

Anhand konkreter Situationen charakterisiert sie die Menschen, wenn sie zum Beispiel beschreibt, wie sie als Mitteleuropäerin in einem abgelegenen Wüstendorf von einer Berberfamilie empfangen und dort zur Sensation wird. Das Wesen der Kontakte mit den Einheimischen läßt sich auch gut an den Kapiteln nachvollziehen, in denen sie und ihre Begleiterin in einem Dampfbad mit den Be- beziehungsweise Entkleidungsgepflogenheiten und Waschgewohnheiten der Berberfrauen bekannt gemacht werden oder wenn sie die Formalitäten der Höflichkeitsrituale beschreibt oder in sinnlichen Worten die Koch- oder Teezubereitungszeremonien.

Selbstbewußte Formulierungen

Nicht nur die Bilder, die Doris Cramer vor den Augen des Lesers entstehen läßt, enthalten viel Leben und Echtheit. Auch diejenigen, die sie als sprachliche Mittel gebraucht, sind mit großer Sicherheit gewählt und sprachlich selbstbewußt formuliert. Und sobald sie das Schwärmerische zu übertreiben droht, holt sie sich selber durch die Realität wieder ein. Zuviel Idylle verträgt weder Nordafrika noch die Autorin. Dieser - vielleicht unbewußter - Mechanismus findet seine Parallele in den Inhalten, auf die sie eingeht. Wenn sie vom Familienleben, den hübschen wohlerzogenen Kindern, der Gastfreundschaft zuviel erzählt hat, folgt alsbald eine Schilderung der hungernden Kinder, ein Aspekt, der eben auch zu diesen Bevölkerungsschichten gehört und der ihr in der direkten Art der Begegnung sehr zusetzt. Wenn sie ein Stilleben mit Hund und Katze in anschaulicher Siestastimmung lebendig werden hat lassen, kommt plötzlich ein ernüchternder Gewittersturm. Wenn sie ihre gute Laune in Erwartung einer Schiffspassage mit Weiterfahrt nach Jordanien schildert, kommen die Erkenntnisse über das elende Leben der Gastarbeiter, die in Saudi-Arabien ausgebeutet werden.

Prinzip Gegensätzlichkeit

Die Ambivalenz zieht sich wie ein roter Faden durch die Beschreibungen Gegensätzlichkeit ist ein wichtiges Charakteristikum, nicht nur was die verschleierten Frauen auf der einen Seite und die modernen modisch gekleideten jungen Mädchen auf der anderen Seite angeht.

Doris Cramer, die seit Mitte der siebziger Jahre in Schwarzenbruck bei Nürnberg lebt und als Buchhändlerin und Bibliothekarin arbeitet, reiste zum Teil mit der Malerin Waltraud G. Giebel, die als Dozentin und Kursleiterin seit 1977 in Schwarzenbruck lebt und arbeitet. Auch sie ist jährlich mehrmals in Nordafrika unterwegs und hält ihre Eindrücke in ihren Arbeiten fest. Farben, Licht und Kultur besonders der Berber, faszinieren die Malerin, die zahlreiche ihrer Zeichenskizzen in dem Buch von Doris Cramer veröffentlicht.

Das Buch von Doris Cramer mit den Illustrationen von Waltraud Giebel heißt „Mit dem Kamel durch den Sinai und andere Reiseskizzen aus Nordafrika", ist erschienen im Köller-Verlag, Schacht-Audorf, 1998, hat 88 Seiten mit 16 Schwarzweißzeichnungen und kostet 32 Mark.

ISBN 13: 978-3-928143-34-9

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