koeller verlag Themen pictamedia scriptadesign VirtualMonument

Köllers Gastrosophie: Liste Literatur & mehr: Liste Köllers Gastrosophie: Liste Literatur & mehr: Liste

Im Herzen noch immer Australien
978-3-928143-24-0

Im Herzen noch immer Australien
Leseprobe

Eisiger Wind pfiff Sieglinde um die Nase, als sie mit halbstündiger Verspätung in Frankfurt landete und das Flugzeug verließ. Wenig später umarmte sie ihre Tochter mit den Worten: »Welcome home, Mum!« Dieser Gruß erinnerte sie an das Schild, das Marilyn für ihren Empfang in Sydney gemalt hatte.

»Mum, ich bin froh, daß du wieder da bist. Ich habe dich so vermißt und freue mich, daß du trotz Verspätung wohlbehalten gelandet bist. Wie gut du aussiehst. Hier herrschen seit Tagen Minustemperaturen, und die Luft riecht nach Schnee. Zieh bitte gleich deinen Mantel an, damit dich die Kälte nicht zu sehr überfällt.« Dabei half sie ihrer Mutter in das mit Pelz gefütterte Kleidungsstück.

»Danke, Liebling. Das fühlt sich gut an. Du bist sehr umsichtig.«

Und schon redete sie wie ein Wasserfall auf ihre Tochter ein, weil sie seit ihrem Flug nach Darwin vor drei Wochen kaum noch miteinander telefoniert hatten. Sie überschlug sich förmlich und war noch lange nicht fertig, als sie in Heidelberg eintrafen.

Linda hatte die Wohnung vorweihnachtlich geschmückt und eine Vase mit Teerosen gefüllt, in die Sieglinde sofort ihre Nase steckte.

Während Linda das Mittagessen zubereitete, packte ihre Mutter die Koffer aus und nahm ein entspannendes Bad. Nach dem Essen erhielt Linda die Mitbringsel und bestaunte die vielen Fotos, die ihre Mutter der Reihe nach kommentierte. Zwischendurch beantwortete sie unzählige Frage, bis sie auf ihren Aufenthalt in Darwin zu sprechen kam.

»Es gab Wiedersehens- und Abschiedsfeiern. Die Zeit verging zu schnell. Wieviele Freunde von früher begrüßte ich und wieviele neue Freundschaften sind entstanden! Wo ich auftauchte, wurde von Tracy, den Hilfsaktionen und dem Wiederaufbau der Stadt gesprochen. Jeder wollte mich mit seiner eigenen Geschichte trösten. Glaub mir, ich konnte es am Ende kaum noch hören.«

»Und du konntest ohne Hemmungen darüber sprechen?«

»Ja, meine Angst ist weg, ich bin kuriert, hätte früher nach Australien fliegen sollen. Am besten gefiel mir die Fahrt in und durch den Kakadu National Park, wo wir Peter besuchten und mit ihm Ausflüge machten. Die Landschaft hat sich nicht verändert, aber für den Tourismus ist alles besser organisiert als früher. Ich genoß jede Sekunde und bildete mir so manches Mal ein, daß uns dein Dad begleitete. Das sage ich natürlich nur zu dir.«

»Na, da bin ich aber froh.«

»Waren wir nicht unterwegs, fuhr ich zum Friedhof, wo ich Dad unsere Erlebnisse berichtete. Ich bildete mir sogar ein, daß er mir antwortete. Deshalb hielt ich mich für wunderlich und wagte es nicht einmal, Debby davon zu erzählen.«

»Gut so, denn das ist höchst spinnig. Tote reden nicht mehr. Sag noch einmal, daß Tante Margret wunderlich geworden ist! Du bist auf dem besten Wege …«

»Es ist mir egal, was du von mir denkst. Ich fühlte mich deinem Dad auf dem Friedhof sehr nah.«

»Das mag schon sein, dagegen will ich nichts einwenden, aber laut mit einem Grab reden und sich dazu noch eine Antwort einbilden, das ich schon, also Mutter, ich muß schon sagen! Erzähle weiter.«

Kontakt/Bestellwünsche | Presse | Newsletter | Impressum

© Köller Verlag & Buchhandlung Drucksachen Film