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Leseprobe "Speckseites Ostseefahrt", Knud H. Thomsen

Leseprobe1

Kapitel 9

Als der Sonnenaufgang den Himmel im Osten rosa färbte und die Möwen aufs Meer hinaus flogen, gellten die gebrochenen Töne eines Kuhhorns über den Ort. Die Hunde brachen in ein vielstimmiges Geheul aus, und aus Häusern und Erdhütten kamen die Menschen heraus, als erwarteten sie einen Überfall. Auf den äußersten Klippen hatten die Nacht hindurch Wachen gesessen für den Fall, daß Ødmund Bos Langschiff auftauchte, und nun kam es unter gewölbtem Segel von Süden und nahm Kurs direkt auf den Ort.

Der Strand war schwarz von Menschen, als es einlief. Vorn am Steven stand Ødmund Bo und war nicht zu übersehen, obwohl er nicht gerade hoch aufragte. »Ich glaube, er hat das Glück auf seiner Seite gehabt«, sagte Thrond, der Bootsbauer. »Sonst wäre er nicht so schnell zurückgekommen. Ein gestandener Bursche ist das.«

»Den Eindruck habe ich auch«, entgegnete Sigvald. »Es dürfte kaum von Vorteil sein, sich ihm in den Weg zu stellen.«

Als das Schiff auf den Strand gelaufen und der Anker ausgebracht war, sprang Ødmund als erster in das flache Wasser. Er und die folgenden sechs Männer trugen je einen abgeschlagenen Kopf, den sie an den Haaren hielten. Am Strand legten sie ihre Trophäen in einer ordentlichen Reihe nieder und gossen danach das Wasser aus ihren Stiefeln.

Die abgeschlagenen Köpfe und die Dorfbewohner starrten einander eine Weile schweigend an. Ødmunds Männer waren nun alle an Land gekommen und verhielten sich so normal, als seien sie vom Fischfang zurückgekehrt. Dann trat Ødmund vor und verkündete, nun seien Helmi und Eiko und Takle und die drei Verschwundenen gerächt und könnten im Tod ihre Ruhe finden. Über die Begegnung mit den Piraten berichtete er nur knapp, daß sie sie unter der livländischen Küste eingeholt hätten, und daß der Ausgang des Treffens an dem abzulesen sei, was hier vor seinen Füßen läge. Das Diebesgut hatte man mit nach Hause gebracht, und das Piratenschiff war verbrannt worden, wie es nun einmal der Brauch war.

Ødmunds Worte lösten große Zufriedenheit aus, und man einigte sich darauf, die Köpfe zur Abschreckung und Warnung für jeden, der sich in unehrlicher Absicht näherte, an den äußersten Klippen auf hohe Pfähle zu stecken. Sote Zweifinger bemerkte, daß nicht alle eine so großartige Rache mit ins Grab bekämen. Zuweilen spekulierte er, ob ihn einer rächen würde, falls jemand ihn ums Leben brächte. Darauf sollte er sich lieber nicht allzu fest verlassen, meinten die anderen, auf jeden Fall wollte keiner ihm Rachepflicht anbieten. »Das hab ich geahnt«, erklärte Sote Zweifinger nicht ohne Bitterkeit.

»So wird es den meisten von uns gehen«, tröstete ihn Sigvald. »Zu unserem Andenken werden keine Preislieder gedichtet. Es sei denn, wir täten es selbst, solange noch Zeit dazu ist. Ich habe tatsächlich schon mal gedacht …« Wie aus einem Mund bestürmten sie ihn, damit zu warten, bis er wieder zu Hause und außer Hörweite wäre.

»Das ist keine gute Lösung«, sagte er, »denn Wanka hat für meine Dichtkunst nichts übrig. Es kommt vor, daß ich auf den Fjord hinausrudern muß, um sie auszuüben.«

»Das habe ich gemerkt«, sagte Heilig-Asmund. »Ich habe lange geglaubt, es sei ein Seehund.«

Sigvald würdigte ihn keiner Antwort. Stattdessen befahl er, daß sie sich zum Absegeln klar machen sollten, der Tag war noch jung, sie konnten weit kommen, wenn der Wind ihnen nicht allzu quer kam.

»Na, ihr segelt weiter«, sagte Thrond. »Tja, nun sollte euch auch nicht mehr allzu viel passieren können. Ødmunds Tat ist sicher schon im Süden wie im Norden der Bucht bekannt geworden, was ein brennendes Schiff bedeutet, wissen die meisten.«

Die sieben Köpfe haben wohl auch eine gewisse Wirkung«, meinte Sigvald. »Was uns betrifft, so würden wir wohl vorbeisegeln, um kein Risiko einzugehn.«

Thrond meinte auch, daß man die abschreckende Wirkung nicht unterschätzen könne. Dann drückte er ihnen allen die Hand und dankte ihnen für das, was sie getan hatten. Nicht wenige von den übrigen Ortsansässigen taten dasselbe, Ødmund allerdings nicht, aber er nickte ihnen immerhin zu. »Ich komme wohl an eurer Gegend vorbei, durch den Limfjord und hinaus in die Nordsee. Wenn ihr eine Nachricht für jemanden dort habt, werde ich wohl Zeit finden, sie zu überbringen.

»Ich habe eine Nachricht für eine Mutter, die ihren Sohn im Kampf verloren hat, wenn man es so nennen will«, sagte Sigvald. »Aber es ist nur recht und billig, daß ich sie selbst überbringe, denn ich war mit dabei, als wir ihn in Birka begraben haben.«

»Du hast ihn vielleicht auch erschlagen?« Ødmund zeigte ein schwaches Interesse. Aber das konnte Sigvald nicht behaupten und Ødmund fand, das sei auch nicht vorstellbar. Darauf erwiderte Sigvald nichts, sondern lenkte seine Schritte zum Strand.

Schonen-Glippe meinte, diese Worte würden manchen das Schwert haben ziehen lassen. Abgesehen davon, den Schädel gespalten zu bekommen, war Hohn so ziemlich das Schlimmste, was einem ehrlichen und freien Mann widerfahren konnte.

»Fandst du nicht, daß da schon genug lose Köpfe lagen?« rief Sigvald ärgerlich. »Zwar würde meiner der schönste sein, aber ich ziehe vor, ihn da zu behalten, wo er jetzt sitzt.«

Viele waren am Strand und sahen zu, als sie von Land abstießen und das Segel setzten. Als sie die äußerste Landspitze umrundeten, starrten sieben Köpfe mit gebrochenen Augen und klaffenden Mündern hinter ihnen her, die Vögel machten sich schon an ihnen zu schaffen.

Sie hatten beinah das innere Ende der Bucht erreicht, als ein Frühjahrssturm losbrach und sie auf dem offenen Wasser festhielt. Sigvald mußte Gunner Flachhorn zu Hilfe rufen, um die Fohlen mit dem Bug gegen die Seen halten zu können, die anderen hatten wechselweise damit zu tun, zu lenzen oder sich festzuklammern.

»Das hat uns gerade noch gefehlt«, schrie Sigvald. »Wir hätten opfern sollen, bevor wir die Finnen verlassen haben, aber man kann doch nicht immer an alles denken. Nicht einmal eine Kanne Bier haben wir noch, um die Götter zu besänftigen.«

Die Fohlen ritt unruhig auf den Seen und machte ihrem Namen alle Ehre. Unaufhörlich kamen Brecher über die Seite herein und drohten die Männer von den Beinen zu reißen, die Holzkonstruktion gab fügsam in allen Ecken und Fugen nach, mal bäumte sich die Fohlen hoch auf, mal tauchte sie tief ein. Aber sie war gut gebaut, ein alter Zuber vielleicht, doch sie gab nach, ohne zu bersten und sammelte sich nach jedem Überrollen unbeeindruckt zu einem neuen Anlauf.

Stumm-Visgot kam dahergerutscht und riß Sote Zweifinger von den Beinen, sie landeten unter dem Halbdeck und ergingen sich in Schimpfworten. In der strahlenden Sonne, die normalerweise nicht zu einem Sturm gehört, sahen sie mehrere Schiffe beigedreht liegen, im Kampf um Leben oder Untergang. An dem, was hier passierte, war nichts Ungewöhnliches, sie hatten es so oft durchgemacht, daß sie keiner gemeinsamen Beratung bedurften, um die beste Art und Weise, mit heiler Haut davonzukommen, herauszufinden. Aber natürlich gerieten sie sich darüber in die Haare, es hagelte nur so Flüche und Verwünschungen. Daran zeigte sich, daß sie in mehr als einem Sinn im selben Boot saßen.

»Das dauert nicht lange«, brüllte Schonen-Glippe. »Oststürme sind wie Frauen, aufbrausend aber leicht wieder beruhigt.«

»Man kann hören, daß deine Kenntnis von Frauen zu wünschen übrig läßt«, heulte Sigvald. »Wenn Wanka in Fahrt kommt, kann sie tagelang weitermachen.«

»Ja, sie kann selbst einem mutigen Mann wie mir die Haarwurzeln gefrieren lassen«, schrie Gunner Flachhorn.

»Dazu braucht es auch nicht viel«, fiel Heilig-Asmund ein. »Das ist wohl der Grund, warum du nie geheiratet hast, obwohl dein Aussehen sicher auch mitgespielt hat.«

»Ja, wie hast du eigentlich ausgesehen, bevor du dieses Profil bekamst?« fragte Sigvald, der neben ihm stand. »Du mußt vollkommen anders ausgesehen haben.«

Gunner Flachhorn erwiderte, er wisse es nicht, weil bei ihm zu Hause Spiegel Mangelware gewesen seien. Aber wenn er wie sein Vater ausgesehen hätte, liefe es auf dasselbe hinaus. »Aber kannst du durch die Nase flöten?« fragte er.

Erst gegen Abend flaute der Sturm soweit ab, daß sie wieder einigermaßen zur Ruhe kamen. Die See ging immer noch hoch, aber die unmittelbare Gefahr schien vorüber, und als noch der Mond sein weißes Gesicht zeigte, fanden sie, daß es Zeit sei, etwas in den Magen zu bekommen. Kalten Speck und nasses Brot gab es, und Wasser, falls einer noch nicht genug davon hatte. Schonen-Glippe bestimmte den Standort nach den Gestirnen, wagte jedoch nicht, ihnen einen geeigneten Ankerplatz an der Küste zu versprechen. Also verbrachten sie noch eine Nacht auf dem Meer und schliefen bibbernd in ihren triefnassen Kleidern.

Sie begrüßten den Anbruch des Tages mit großer Erleichterung und segelten weiter nach Osten. Nach ein paar Tagen tauchte gerade voraus das flache Sumpfland um die Mündung des Neva-Flusses auf. Große Wachtürme waren ringsherum aufgerichtet, denn die schwerbeladenen Schiffe, die hier ein und aus fuhren, übten eine starke Anziehungskraft aus auf viele, die es vorzogen, den Ertrag der Mühsal anderer zu ernten. Die Fohlen wurde denn auch angerufen und mußte Auskunft geben über Reiseziel und Ladung, eine Handvoll schwerbewaffneter Krieger enterte an Bord, und Stumm-Visgot mußte als Dolmetscher zahlreiche Fragen beantworten und danach Sigvald erzählen, daß der Fürst von Aldeigjuborg eine Abgabe dafür verlangte, daß man den Fluß befahren durfte. Dies war eine neue Bestimmung, die Sigvald sehr verärgerte, aber ein erneuter Blick auf die Krieger überzeugte ihn davon, daß es vernünftig war, die verlangte Summe zu bezahlen. Dafür erhielt er ein Holztäfelchen mit einem Zeichen, das ihm freie Fahrt bis zur Stadt sicherte.

»Das hat man ehrlichen Kaufleuten früher nicht zugemutet«, erklärte er, als die Krieger in passender Entfernung waren. Als die Schweden hier das Sagen hatten, ging das Ganze geruhsamer zu, aber seit dieses vermaledeite Rus-Volk sich breitgemacht hat, haben sie ganz schön was gelernt. Na wenn schon, was wir hier bezahlt haben, schlagen wir auf die Waren wieder drauf, das ist gute Kaufmannsart,«

Leseprobe 2
Sie hatten beinah das innere Ende der Bucht erreicht, als ein Frühjahrssturm losbrach und sie auf dem offenen Wasser festhielt. Sigvald mußte Gunner Flachhorn zu Hilfe rufen, um die "Fohlen" mit dem Bug gegen die Seen halten zu können, die anderen hatten wechse-lweise damit zu tun, zu lenzen oder sich festzuklammern. - Das hat uns gerade noch gefehlt, schrie Sigvald. Wir hätten opfern sollen, bevor wir die Finnen verlassen haben, aber man kann doch nicht immer an alles denken. Nicht einmal eine Kanne Bier haben wir noch, um die Götter zu besänftigen.

Die "Fohlen" ritt unruhig auf den Seen und machte ihrem Namen alle Ehre. Unaufhörlich kamen Brecher über die Seite herein und drohten die Männer von den Beinen zu reißen, die Holzkonstruktion gab fügsam in allen Ecken und Fugen nach, mal bäumte sich die "Fohlen" hoch auf, mal tauchte sie tief ein. Aber sie war gut gebaut, ein alter Zuber vielleicht, doch sie gab nach ohne zu bersten und sammelte sich nach jedem Überrollen unbeeindruckt zu einem neuen Anlauf.

Stumm-Visgot kam dahergerutscht und riß Sote Zweifinger von den Beinen, sie landeten unter dem Halbdeck und ergingen sich in Schimpfworten. In der strahlenden Sonne, die normalerweise nicht zu einem Sturm gehört, sahen sie mehrere Schiffe beigedreht liegen, im Kampf um Leben oder Untergang. An dem, was hier passierte, war nichts Ungewöhnliches, sie hatten es so oft durchgemacht, daß sie keiner gemeinsamen Beratung bedurften, um die beste Art und Weise, mit heiler Haut davonzukommen. Aber natürlich gerieten sie sich darüber in die Haare, es hagelte nur so Flüche und Verwünschungen. Daran zeigte sich, daß sie in mehr als einem Sinn im selben Boot saßen.

- Das dauert nicht lange, brüllte Schonen-Glippe, Oststürme sind wie Frauen, aufbrausend aber leicht wieder beruhigt.

- Man kann hören, daß deine Kenntnis von Frauen zu wünschen übrig läßt, heulte Sigvald. Wenn Wanka in Fahrt kommt, kann sie tagelang weitermachen.

- Ja, sie kann selbst einem mutigen Mann wie mir die Haarwurzeln gefrieren lassen, schrie Gunner Flachhorn.

- Dazu braucht es auch nicht viel, fiel Heilig-Asmund ein. Das ist wohl der Grund, warum du nie geheiratet hast, obwohl dein Aussehen sicher auch mitgespielt hat.

Erst gegen Abend flaute der Sturm soweit ab, daß sie wieder einigermaßen zur Ruhe kamen, Die See ging immer noch hoch, aber die unmittelbare Gefahr schien vorüber, und als noch der Mond sein weißes Gesicht zeigte, fanden sie, daß es Zeit sei, etwas in den Magen zu bekommen. Kalten Speck und nasses Brot gab es, und Wasser, falls einer noch nicht genug davon hatte. SchonenGlippe bestimmte den Standort nach den Gestirnen, wagte jedoch nicht, ihnen einen geeigneten Ankerplatz an der Küste zu versprechen. Also verbrachten sie noch eine Nacht auf dem Meer und schliefen bibbernd in ihren triefnassen Kleidern.

Sie begrüßten den Anbruch des Tages mit großer Erleichterung und segelten weiter nach Osten. Nach ein paar Tagen tauchte gerade voraus das flache Sumpfland um die Mündung des Neva-Flusses auf. Große Wachtürme waren ringsherum aufgerichtet, denn die schwerbeladenen Schiffe, die hier ein und aus fuhren, übten eine starke Anziehungskraft aus auf viele, die es vorzogen, den Ertrag der Mühsal anderer zu ernten.

Die "Fohlen" wurde denn auch angerufen und mußte Auskunft geben über Reiseziel und Ladung, eine Handvoll schwerbewaffneter Krieger enterte an Bord, und Stumm-Visgot mußte als Dolmetscher zahlreiche Fragen beantworten und danach Sigvald erzählen, daß der Fürst von Aldeigjuborg eine Abgabe dafür verlangte, daß man den Fluß befahren durfte. Dies war eine neue Bestimmung, die Sigvald sehr verärgerte, aber ein erneuter Blick auf die Krieger überzeugte ihn davon, daß es vernünftig war, die verlangte Summe zu erlegen. Dafür erhielt er ein Holztäfelchen mit einem Zeichen, das ihm freie Fahrt bis zur Stadt sicherte.

Das hat man ehrlichen Kaufleuten früher nicht zugemutet, erklärte er, als die Krieger in passender Entfernung waren. Als die Schweden hier das Sagen hatten, ging das Ganze geruhsamer zu, aber seit dieses vermaledeite Rus-Volk sich breitgemacht hat, haben sie ganz schön was gelernt. Na wenn schon, was wir hier bezahlt haben, schlagen wir auf die Waren wieder drauf, das ist gute Kaufmannsart.

Der Fluß war breit aber schlammig, Sandbänke und Untiefen behinderten das weitere Fortkommen. Ein paar Mal mußten sie bis zum Gürtel ins Wasser und die "Fohlen" frei schieben. Auf den weiten, ertrunkenen Ebenen sahen sie viele Krieger zu Fuß und zu Pferd, und sie erfuhren, daß der Fürst von Aldeigjuborg mit seinem Bruder vom Nordende des Ladogasees in Streit lag. Gunvor hat mir viele Ermahnungen mit auf den Weg gegeben, aber es fragt sich, ob ich mich an alles erinnern kann.

Gunner Flachhorn meinte, das könne niemanden verwundern. Wenn man nur hinausginge, um einen Eimer Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen, war sie der Auffassung, man käme nicht lebend zurück. StummVisgot fragte mißtrauisch, wieso er davon wüßte, und Gunner Flachhorn erinnerte ihn an einen Winter, als er mit Gicht im Bett gelegen hatte, und er als der gute Nachbar, der er war, Gunvor verschiedentlich zur Hand gegangen war.

- Aber du brauchst dich nicht zu erhitzen, fügte er schnell hinzu. Gunvor lädt nicht ein zu dem, woran du jetzt denkst, mehr will ich dazu nicht sagen.

Sie ist in vieler Hinsicht eine prächtige Frau, erklärte Stumm-Visgot, aber in bezug auf das, was du glaubst, was ich denke, geb ich gerne zu, daß es nicht mehr die Hauptsache für sie ist. Aldeigjuborg lag etwas südlich vom unteren Ende des großen Ladogasees, eine Stadt aus Holz; Dächer und Wände waren aus schweren Balken, die Straßen waren mit Planken belegt, und die Häuser lagen hinter starken Palisaden, als erwarteten die Bewohner jederzeit einen Angriff. In der Nähe des Flusses lag die Burg des Fürsten wie eine geballte Faust.

Es war 36 Tage her, daß sie von Vendsyssel aufgebrochen waren. Und ins Rus-Land war der Frühling gekommen, mit hellgrünen Birken, Huflattich und Löwenzahn und munteren Vögeln, die die Luft mit Gesang erfüllten. Große Schwärme von Enten, Gänsen und Schwänen belebten die Ufer des Ladogasees, und die ersten Mücken aus den Sümpfen in den Flußniederungen hatten ihren Einzug in die engen Gassen der Stadt gehalten.

Aus dem großen und unbekannten Land, das sich ungeahnte Tagesreisen weit nach Osten hin erstreckte, kamen Kaufleute mit großen Lasten von Pelzen und erstaunlichem Schmuck und Waffen, und Angehörige von Stämmen, die entlang den großen Flüssen tief im Süden lebten. Seide. Glas, Gewürze, Wein, Perlen und Edelsteine, Elfenbein und duftende Holzarten wetteiferten mit betörend duftenden Ölen, Weih-rauch und getrockneten Früchten darum, die schwachen Seelen anzulocken.

Zusammengestellt von C. Scheidt

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